Der Wacholder - Zypresse des Nordens

Wer kennt sie nicht, die schlanken Säulen des immergrünen Wacholders auf den ehemaligen Schafweiden an der Altmühl, in der Fränkischen Schweiz oder der Lünebürger Heide.

Als von Schafen und Ziegen verschmähtes "Weideunkraut" prägen sie dort die Landschaft. Das Kuratorium "Baum des Jahres" wählte diese, mittlerweile selten gewordene Baumart aus der Familie der Zypressengewächse als Baum des Jahres 2002.

WacholderRund 60 Wacholderarten gibt es weltweit.

Der häufigste Vertreter bei uns ist der Gemeine Wacholder (Juniperus communis). Der genügsame Baum wird bis zu 10m hoch. Er wächst auf ärmsten Moorböden, ebenso wie auf warmen Kalkschutthängen und trockenem Sand, erträgt tiefe Kälte und flirrende Hitze gleichermaßen.

Nur auf eines kann er nicht verzichten: genügend Licht und Sonne.

Besonders charakteristisch für ihn sind die graugrünen, spitzen Nadeln, die in 3zähligen Wirteln an den Zweigen angeordnet sind.

Sie enthalten ebenso, wie das Holz und seine Früchte ätherische Öle mit den Wirkstoffen Terpinol, Sabinen und Juniperin. Die medizinische Wirkung des Wacholders ist schon lange bekannt. Tinkturen aus Wacholderbeeren - eigentlich sind es Zapfen! - verabreichte man z.B. zur inneren Anwendung bei Rheuma, Gicht, Bronchitis, bei Erkältungen und Magenproblemen.
Heute weiß man, dass Wacholder tatsächlich eine stark desinfizierende und abwehr-steigernde Wirkung hat und so spielt er in der modernen Pflanzenheilkunde nach wie vor eine wichtige Rolle.

Blätter und Beeren des WacholdersAuch die mythologische Bedeutung des Wacholders war sehr groß. Wie die Eibe galt er als Todesbaum und wurde häufig auf Gräber gepflanzt. Man glaubte, die Seelen der Verstorbenen können sich im Baum verbergen und unter bestimmten Umständen wieder zum Leben zurückkehren. Diese Kraft, die man dem Baum zusprach, spiegelt sich in seinem Namen wider: "Wach-halter", Wacholder.
Ein anderer Name "Kranewitt" leitet sich von Krammetsvogel ab, der mittelhochdeutschen Bezeichnung für Wacholderdrossel, die neben einer Reihe anderer heimischer Vögel die reifen, stark zuckerhaltigen Beeren besonders gerne frißt.

Das Holz des Wacholders zeichnet sich durch hohe Festigkeit aus. Es ist feinfasrig und elastisch, reißt nicht und schwindet nur sehr wenig. Gesucht ist vor allem das rötlich bis bräunliche Kernholz, das sich vor allem für Drechsler- und feine Schreinerarbeiten eignet.

Das Kuratorium "Baum des Jahres" erwählt seit 1989 den "Baum des Jahres". Durch diesen Titel sollen seitdem am Beispiel Baum ökologische, forstliche und naturschutzfachliche Zusammenhänge dargestellt und Möglichkeiten der Unterstützung und Mitarbeit aufgezeigt werden.