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In der Geschichte Oberfrankens spielen die Walpoten eine wichtige Rolle. Ihr Name taucht zu Beginn des 11. Jahrhunderts erstmals auf. Für rund zweihundert Jahre nehmen sie eine herausragende Stellung ein. Unter anderem steht die erste urkundliche Erwähnung Kulmbachs in Zusammenhang mit den Walpoten. Trotz einer guten Quellenlage gibt es aber etliche Rätsel um die Herrschaft der Walpoten. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob sich ein Geschlecht oder eine Amtsbezeichnung mit dem Namen der Walpoten verbindet. Durch neuere Veröffentlichungen verdichtet sich die Annahme, daß der deutsche König Heinrich II. das durch die Niederlage der Grafen von Schweinfurt entstandene Machtvakuum am Obermain mit befähigten und zuverlässigen Leuten aus dem Stammm der slawischen Wenden füllte. Die Walpoten (Waltpoten, Walpodenen) nennen sich von 1115 bis 1167 nach ihrer Burg Trebgast, von 1163 bis 1250 führen sie den Namen ihrer Veste Zwernitz, von 1168 bis 1203 erscheinen sie im Zusammenhang mit der um 1150 erbauten „Walpotenburg" auf dem Schloßberg von Berneck. Diese herausragenden Befestigungen umfassen aber bei weitem nicht den vollen Umfang ihres ursprünglichen Besitzes.Schon um 1035 erwähnt ein Schenkungsvermerk in der Alkuinbibel den edelfreien Reginold Walpoto. Damit begegnen uns, wie der frühere Kulmbacher Heimatpfleger Hans Stößlein feststellt, zum ersten Mal der Name eines Kulmbacher Grundbesitzers und die Bezeichnung Kulma, eine Kleinsiedlung wohl mit Forsthof im heutigen Spiegel, durchflossen von der Culminaha, dem „Bergbach". Der Ursprung Kulmbachs ist also auf die Walpoten zurückzuführen. Ebenso verhält es sich mit den Entstehungsgeschichten von Schauenstein und Helmbrechts, die höchstwahrscheinlich mit dem Wirken der Walpoten zusammenhängen, nicht zu vergessen das zur Marktgemeinde Grafengehaig gehörige Walberngrün, dessen frühere Bezeichnung Walpotengrune einen sicheren Hinweis geben dürfte.
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Konflikt mit Andechsern Im Jahre 1057 traten die Dießen-Andechser mit ihrem auf dem Erbwege erworbenen Kulmbacher Besitz ihre Herrschaft am Obermain an, doch erst 1135 durfte sich Berthold von Andechs nach der Plassenburg benennen. Aus dieser Tatsache schließt der Historiker Professor Dr. Erwin Herrmann, daß die Walpoten den aufstrebenden Andechsern erhebliche Schwierigkeiten bereiteten. Letztere jedoch behielten die Oberhand. Die Walpoten verloren zu Beginn des 13. Jahrhunderts Berneck sowie Trebgast mit Nemmersdorf, zwischen 1250 und 1260 ihren Stammsitz Zwernitz, und der Vertrag von Langenstadt am Main aus dem Jahr 1260 ging schon gar nicht mehr auf die Walpoten ein, deren Vertreter Friedericus dictus Walpoto 1285 seinen gesamten Besitz in Neustädtlein am Forst an den Burggrafen von Nürnberg abtrat. Der genannte Walpote Friedericus verkaufte im Jahr 1300 seine letzten Güter um Leugast an das Kloster Langheim, das bereits 1247 die Dörfer Lubegast, Oberlubgast, Cosere, Reberch und Hohenberch - einst Eigentum der drei Brüder, genannt die Walpodonen - durch Herzog Otto von Meran zum „immerwährenden Besitz" erhalten hatte. Obwohl also reiches Quellenmaterial vorliegt, sind Herkunft und Stellung der Walpoten noch immer in Dunkel gehüllt. Mancherlei Fragen erheben sich: Bezieht sich „waltpoto" auf den Namen eines Geschlechts oder auf ein Amt, eine Würde? Handelt es sich um „Gewaltboten", also um Gesandte einer höheren politischen Macht, oder um „Waldboten" im Sinne von Rodungsherren? Man liest von einem „Geschlecht der Walpoten", von einer „Ministerialenfamilie", vom „Herrengeschlecht der Walpoten", das gleichbedeutend wäre einer alten, edelfreien Dynastie. Bei alledem fällt auf, daß niemals ein„ Udalrich von Walpoto" etwa bezeugt wird, während sonst die adelige Herkunft mit dem kleinen Zusatz „von" geklärt ist, so bei Friedrich von Leutenbach, Wirint von Waischenfeld oder Herold von Aufseß. Diese genannten Ritter wurden 1079 neben Udalrich Walpoto von Papst Gregor VII. wegen Entfremdung von Kirchengut mit dem Bann belegt.
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Bedeutsames
Komma In seinem 1994 erschienenen Buch „Frankens mainwendische Namen" versucht Joseph Schütz Licht in die Walpotenfrage zu bringen. Er geht aus vom Protokoll der Synode zu Bamberg 1059. Dort wird die Zeugenreihe der „palatinischen comes" (Grafen) von einem Cuono angeführt, während als letzter Zeuge „Immo, waltpoto" aufgenommen ist. Der Name Immo ist von dem ihm geltenden Zusatz „waltpoto" durch ein Komma getrennt, genauso wie „Gozwin, comes" und „Kraft, comes". Gerade diese Schreibweise, so meint Schütz, bezeuge die Gleichrangigkeit der angegebenen Zeugen, und es sei unerklärlich, weshalb später das Amt oder die Würde „waltpoto" zu „Walpoto" verstümmelt und andererseits das bedeutsame Komma bei den Schreibungen „Gozwin Graf" und „Kraft Graf" weggelassen wurde. Josef Schütz stellt fest: „Waltpoto ist mithin eine Würde (Titel), die fürs erste nur regional vorkommt, eben am Obermain, die aber ... nicht als einmalig verliehen erachtet werden kann ... Es gab überall dort einen walpoto zu einer Zeit, wo dies die höhere Macht für zweckmäßig erachtete ... Als die Würde in der Tat zum Geschlechter-Namen herabsank, wurden damit differente Personengruppen in entlegenen Regionen bezeichnet." Anders ausgedrückt: Ursprünglich hieß man nicht Walpoto, man war ein Walpoto. Bei der Deutung des Namens betont Schütz, daß das Zweitglied „pot" ausschließlich in Personenbezeichnungen wiederkehrt, so im litauischen „viespats", im slowenischen „gopod" und im russischen „gospodin"; überall bedeutet es „Herr". Das Erstglied des Namens waltpoto sieht der Verfasser im weiter gespannten indogermanischen Sprachbereich. Das gotische „waldan", althochdeutsch „waltan", mittelhochdeutsch „walten", findet sich auch im gemeinslawischen „valdeti" im Sinne von „regieren, herrschen". Daraus ergibt sich, kurz zusammengefaßt, folgende Deutung: Wälpoto ist mainwendischen Ursprungs und bezeichnet jemanden, „der die Macht eines Herrn hat". Bezeichnend ist, daß sich ein solcher Titel nur im oberfränkischen Raum findet. Damit gewinnt die schon früher von Herrmann getroffene Aussage eine richtungweisende Bedeutung: „Es drängt sich die Uberlegung auf, daß dieses Geschlecht, das einen Titel als Namen trug, von slawischer Abkunft gewesen sein könnte. Dadurch würden sich zwanglos die slawischen Namen ihrer Burgen erklären lassen (Trebgast, Zwernitz) .. Die Hypothese von der slawischen Abkunft der Walpoten würde also eine außerordentlich störende Lücke in der Erklärung der Geschichte und Namenwelt Oberfrankens schließen." Ergänzend sei festgestellt: im Ortsnamen Trebgast ist das slawische „treb" = „roden, geeignet sein" bedeutsam, der Name Zwernitz verweist auf das slawische „zveren-ici" = „Hochwildbereich", wie Schütz erklärt. Übrigens stammt auch „kulm", vorher „chulm", aus dem Slawischen und bezeichnet eine abgerundete Bergkuppe. Wäre der Hinweis abwegig, daß dem von Südwesten nach Kulmbach Anreisenden der Rehberg, einst natürlicher Schutz der Siedlung „kulma", tatsächlich wie eine haubenförmige Kuppe erscheint?
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Kluger Schachzug Slawen als Walpoten im äußersten Osten des fränkischen Reiches - das mag zunächst Befremden hervorrufen. Bei eingehender Betrachtung der damaligen politischen und kirchlichen Verhältnisse aber erscheint diese Annahme durchaus nicht fragwürdig, sondern als ein kluger Schachzug Heinrichs IL Er hatte 1002 den Königsthron bestiegen und. 1007 sein langgehegtes Ziel erreicht, in seinem „von Kindheit an einzig geliebten Bamberg" ein Bistum zu errichten. Die Gründe hierfür waren sicher vielfältiger Art. Zunächst erschien es als ein Gebot der Stunde, im Raum zwischen dem Steigerwald und dem Nordwald die Macht der Grafen von Schweinfurt zu brechen, die sich im 10. Jahrhundert zu einer ernsten Gefahr für das gesamte Staatsgefüge entwickelt hatten. Der Aufstand des Markgrafen Hezzilo endete 1003 mit der Eroberung seiner Burgen Schweinfurt, Ammerthal und Creußen; er selbst brannte Kronach nieder. Nun ergab sich für Heinrich II. die dringende Notwendigkeit, das am Obermain entstandene Machtvakuum auszufüllen und eine grundlegende politische Neuordnung durchzuführen. Im Zuge der zu treffenden Sofortmaßnahmen - so könnte man es sich gut vorstellen - hielt der Herrscher des Reiches Ausschau nach befähigten und zuverlässigen Leuten, die an der Ostgrenze des Frankenreiches im Auftrag des Königs für Ordnung sorgten, keiner erblichen Adelsdynastie entsprangen und gleichzeitig die an der Fränkischen Linie zum Stillstand gekommene Welle der Rodung und Kolonisation weiter östlich in die unwegsamen und unwirtlichen Waldregionen vorantrieben. Es ist leicht denkbar, daß solche Kräfte aus der Gruppe der Wenden gewonnen wurden, die wie die Franken zum Reich gehörten und volle Bewegungsfreiheit hatten. Schon seit Jahrhunderten berichteten Geschichtsschreiber, daß diese slawischen Stämme „in schwer zugänglichen Wäldern und an ähnlichen Ufern von Flüssen, Sümpfen und Seen wohnten". Vielleicht war die Zeit der raschen Entscheidungen, vor die sich Heinrich Il. im Kampf gegen den Schweinfurter Markgrafen gestellt sah, gleichzeitig die Geburtsstunde der Waltpoten? Ein zweiter Aspekt kommt hinzu. Der Missionsauftrag des neugegründeten Bistums Bamberg wurde vollends deutlich auf der Synode von 1059, deren Protokoll -.wie bereits erwähnt - erstmals einen „Immo, waltpoto" bezeugt. Es heißt dort unter anderem: „Das Volk dieses Bistums war, dieweil zum größten Teile Slawen, heidnischen Gebräuchen ergeben und voller Abneigung gegen die christliche Religion, und zwar hinsichtlich der Heirat mit Verwandten als auch der Verweigerung des Zehnten, was den Beschlüssen der Väter durchaus entgegensteht. Deshalb ist durch den gemeinsamen Befund aller festgehalten worden, daß, so sie von selbst den kanonischen Beschlüssen nicht gehorchen wollen, sie zur Taufe gezwungen werden sollen. Und wer, in kanonischer Weise mit dem Bann belegt, den Zehnt nicht geben würde, sollte durch seinen Herrn als seiner Güter verlustig erklärt werden, bis er zur Einsicht gelange." Um solche Forderungen durchzusetzen, bedurfte es starker Vertreter der Reichsgewalt, die neben ihrer Machtbefugnis auch genaue Kenntnisse besaßen über die Lebens und Sprachgewohnheiten des slawischen Teils der Bevölkerung. Wer hätte diese Aufgabe besser erfüllen können als die Walpoten slawischer Herkunft? Zudem pflegte Heinrich II. enge Kontakte zu benachbarten Ostkirchen. Seine Schwester Gisela war die Gattin des ungarischen Königs Stephan und sehr besorgt um eine dauerhafte Verbindung Ungarns mit dem Reich sowie um eine Annäherung beider Kirchen auf der Grundlage des westlichen Christentums. Auch von daher könnte man die Einsetzung slawischer Walpoten in den fränkischen Grenzgebieten als politisch wie kirchlich kluge Lösung durchaus verstehen. Vielleicht tragen all diese Erwägungen mit dazu bei, manches Dunkel um die in unserer Heimat rund zwei Jahrhunderte wirkenden
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| (Otto Knopf) |