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Der Eulenspiegel aus Wonsees |

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Der Taubmann-Brunnen vor dem Rathaus |
Friedrich
Taubmann
wäre
heute ein Star der Talkshows
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Er
wurde einfach zu früh geboren. Um rund 400 Jahre. Sonst brächte er in
die immer unsäglicher werdenden Talkshows des Fernsehens mehr Bildung und
mehr Witz, auch in pointierteren Sendungen wie dem „Scheibenwischer“
oder den „Mitternachtsspitzen“ wäre er willkommen. Und so manchem
platten Internet-Chat würde er Glanzlichter aufsetzen, der Friedrich
Taubmann.
Neben Hans Sachs ist er der zweite Schusterbub,
dessen Leben und Wirken das Vorurteil vom „tumben“ Franken widerlegt,
der schafsgeduldig durchs Leben trottet, sich wechselweise dem Bier und
dem Wein ergibt und stets einen schicksalsergebenen Untertanen abgibt.
Sein Scharfsinn, seine Klugheit und sein Humor machten Taubmann zu einem
der berühmtesten Literaten des 17. Jahrhunderts, er freute sich selbst an
seinen geschliffenen Wortspielen, manchmal freilich so sehr, dass er
Ausdruck vor Inhalt stellte - in
unserer real existierenden Medienwelt wäre das kein Widerspruch.
Allerdings: Wer kennt Taubmann heute noch? Jean Paul
setzt ihn auf eine Stufe mit Eulenspiegel, 1830 fragt der „Brockhaus“:
„Wer kennt ihn nicht als Lustigmacher?“ Zum Beispiel „Der große
Herder“ von 1956 oder die CD von Meyers Taschenlexikon (1999) haben
Taubmann ausgegrenzt. Immerhin bringt die Volltextsuche im Internet ein
paar Dutzend Einträge. Wenn man die Niederschriften über den Veldener
Stadtrat (dem ein Lokalpolitiker dieses Namens angehört) weggeblendet
hat, finden sich doch einige Spuren des am 15. oder 16. Mal 1565 in
Wonsees geborenen Schalks und Späthumanisten, um seine Lebensgeschichte
nachzuzeichnen - vor allem
dank des Semiotikers Dr. Dieter Münch, dessen 1984 zu einer
Taubmann-Ausstellung auf Burg Zwernitz erschienene Schrift Aufschluss gibt
über Leben und Werk Taubmanns.
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Der in seinem Geburtsort ebensowenig wie von den
Gralshütern der Fränkischen Schweiz vergessen ist: Michel Hofmann oder
Erich Arneth schätzten Taubmann außerordentlich, die Wonseeser bauten
ihm zu Ehren - und der
Dorferneuerung zum Dank - einen
Brunnen mitten in den Ort, den der Hollfelder Christian Degen aus
Trebgaster Sandstein geschaffen hat.
Es macht einen tieferen Sinn, dass in dieser nördlichen
Bastion der Fränkischen Schweiz steinerne Bücher rund um den Brunnen
aufgeschichtet sind: Denn ohne Bücher wäre es nie zu diesem Namen für
den einstmaligen „Ritterkanton Gebürg“ gekommen, er ist eine
Erfindung der Romantik, deren Wesen Taubmann sicherlich gefallen hätte.
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Detail des
Taubmann-Brunnens,

gestaltet von Christian Degen, Hollfeld aus Trebgaster Sandstein
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Die aber lag noch zwei Jahrhunderte vor ihm.
Taubmann, der seine Eltern früh verlor und seine Stiefeltem stets hoch
achtete, kam 1578 ans Kulmbacher „Lyzeum“, das heutige
Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium, an dem sich Thomas Gottschalk seine
humanistische Bildung holte - womöglich
auch einiges von taubmann‘scher Schlagfertigkeit und
Improvisationskunst, die dem schlaksigen Showmaster helfen in seinen
Begegnungen mit den Stars dieser Welt. Wetten dass!
Thommy aber hat gegenüber Taubmann einen unschätzbaren
Vorteil (für uns TV-Konsumenten): Er behält sein Latein für sich, der
Wonseeser jedoch schrieb nur in dieser Gelehrtensprache. Das ist denn auch
das Geheimnis seiner verlorengegangenen Popularität, sozusagen seines
Quotenverlustes. Es müsste sich ein Bearbeiter finden, der seine Werke
ins heutige Verständnis transformiert -
wie er sich selbst als Philologe beispielhaft Plautus‘ oder
Vergils angenommen hatte.
Aber nicht so schnell voran in seiner Vita! Taubmann,
der mit seinem beweglichen und freimütigen Geist schnell die Anerkennung
seiner Ausbilder fand, wechselte 1582 mit seinem Rektor Johann Codomann
als einer der ersten Stipendiaten ans neu gegründete markgräfliche
Gymnasium nach Heilsbronn, 1592 wurde dem inzwischen literarisch
hervorgetretenen jungen Mann, der schon als Schüler die komischen Epen
„Bacchanalia“ und „Martinalia“ geschrieben hatte, die Ehre der
Dichterkrönung zuteil.
Ebenfalls 1592 wurde er an der Universität
Wittenberg immatrikuliert, 1595 erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für
Poesie an dieser Universität, den er bis zu seinem Tod inne hatte. Er
schrieb in seinen Epen humanistische Gelehrtenliteratur und wies in seinen
Gedichten mit ihrem spielerischen Charakter und der reichen Rhetorik schon
voraus ins Barock. Seine Improvisationskunst bescherte ihm am sächsischen
Hof sogar den Titel „kurtzweiliger Rat“. Er gefiel sich durchaus in
der Hofnarrenrolle, die ihm den Umgang mit den Mächtigen seiner Zeit -
das waren Markgrafen und Kurfürsten -
leicht machte. Persönlichen Mut hatte der mächtige Mann mit
seiner hohen Stirn, dem zurückgekämmten Haar und dem ausdrucksstarken
Mund sowieso.
Zum Bestseller sollte die „Taubmanniana“ genannte
Sammlung seiner Anekdoten werden, die von 1702 bis 1746 zehn Auflagen
erlebte. Da war der Poet, Philologe und „kurtzweilige Rat“ schon lange
tot: Er starb am 24. März 1613 erst 48-jährig im Bewusstsein, ein gutes
Werk zu tun die Maden müssen
auch einmal etwas Gutes haben.“
| Als Kurfürst Christian II. prahlte, er besitze
alles, an seinem Hofe fehle nicht das Geringste, wandte er ein: „Doch,
die Wahrheit!“ |
So erklärte
Taubmann sein gutes Auskommen am Hofe: „Das ist sehr einfach, man
braucht nur jeden zu ehren und keinem zu trauen.“
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Ein Höfling
mokierte sich über den kräftigen Mann: „Habt Ihr aber große Hände.
Die würden sich gut zum Dreschen eignen. Taubmann reichte ihm seine
Pranke: „Sehr richtig, ich habe ja den Flegel schon in der Hand.“
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| Als Taubmann
von einem Juristen wegen seines Heißhungers gestichelt wurde: „Ja, mein
Magen steht eben immer offen, wie ein Advokatenbeutel.“
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Über die
Freundschaft der Gelehrten sagte Taubmann, sie entstehe aus Züchten und
Tugenden, die der Edelleute aus Fressen und Saufen
und die der Kaufleute aus Eigennutz. |
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