Markgrafenkirche St. Laurentius

Die ehemalige Wehrkirche thront über Wonsees
Stilmix im Inneren der Kirche
Bäuerliche Blumenmuster an den Emporen
Maßanfertigung des Traditionsorgelbauers Weinecke
Prunkvoller Altar...
... mit Auferstehungs- und Himmelfahrtsszene
Das allsehende Auge - Symbol für Dreifaltigkeit
Liebevoll verzierte Kanzel

Wer die historische Kirche in Wonsees betritt, hat sofort ganz viele Fragen. Die Emporen - verziert mit schlichten, bäuerlichen Blumenmustern - passen nicht zum prunkvollen, detailverliebten Altar. In den Stilmix gesellt sich auch die majestätische Orgel, die hinten auf der Empore thront. Hinter allem verbirgt sich eine Geschichte. Je mehr man erfährt, umso spannender wird es. Denn die Kirche St. Laurentius hat eine bewegte Vergangenheit. Sie war eine Wehrkirche, ein Pferdestall und gilt heute als kunsthistorischer Kulturschatz.

Rückzugsort bei Angriffen

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1108, im Hochmittelalter, die Zeit der Ritter und Kreuzzüge. Der Standort auf dem Hügel, Vorratskeller sowie die in Teilen bis heute erhaltene sechseckige, anderthalb Meter dicke Einfassungsmauer deuten darauf hin, dass sie den Anwohnern als Rückzugsort im Kriegsfall diente, als sogenannte Wehrkirche. Benannt wurde sie nach dem Heiligen Laurentius, einem römischen Diakon, der der Legende nach als Märtyrer auf dem Grillrost hingerichtet wurde. Im Mittelalter rief man den Heiligen bei allen möglichen Hautkrankheiten an, vor allem bei der Pest.

Dreißigjähriger Krieg

Bis dato war die Kirche katholisch. Dann kam die Zeit Martin Luthers, der mit seinen 95 Thesen die Reformation einleitete. Am 10. August 1530 wurde die Wonseeser Kirche St. Laurentius evangelisch. 1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus, machtpolitischer Konflikt und Religionskrieg. Auf ihrem Durchzug waren die Truppen des katholischen Kaisers nicht zimperlich. „Der Krieg ernährt den Krieg“ hieß die Devise. Sie nahmen alles mit, was sie brauchen konnten und ließen die ohnehin schon arme Landbevölkerung mit leeren Händen zurück. Wonsees wurde mehrfach geplündert und niedergebrannt. St. Laurentius entging diesem Schicksal, indem sie sich nützlich machte, und zwar als Pferdestall. Die kaiserlichen Offiziere übernachteten im Pfarrhaus und ließen sich vom damaligen Pfarrer bewirten.

Zedersitzer Mord

Doch irgendwann geschah die Tragödie. Kaiserliche Truppen unter Graf Wolff von Mansfeld kamen im Herbst 1627 nach Wonsees und konfiszierten Vieh und Pferde. Als das Reiterregiment im Frühjahr 1628 zurückkehrte, glaubte der Plötzmüller Paul Pfändner, sein Pferd wiederzuerkennen und rief zum Widerstand. Gegen die geübten Soldaten hatten die Aufständischen jedoch keine Chance und 15 Männer aus der Ortschaft Zedersitz wurden getötet. Das Massengrab befindet sich neben dem Kirchturm in Wonsees. Die genaue Stelle ist unbekannt. Allerdings steht vor dem Kircheneingang ein Denkmal, das an den „Zedersitzer Mord“ erinnert und mahnen soll, nie die Schrecken eines Krieges zu vergessen.

Giftmörderin von Sanspareil

An der Westseite der Kirche stehen drei große Sandsteindenkmäler. Das Dritte von links gehört zum Grab von Friedrich Christian Philipp Gromann, in Quellen als »Amtmann von Sanspareil« bezeichnet. Er fiel der Serienmörderin Anna Margaretha Zwanziger zum Opfer, die bei ihm als Haushälterin tätig war. Sie trieb jahrelang in Kasendorf und Sanspareil ihr Unwesen. Getarnt als Dienstmagd vergiftete sie jeden, der ihr in die Quere kam. Erst als sie über 50 Jahre alt war, kam man ihr auf die Schliche. Überführt wurde sie durch die gewissenhaften Obduktionsgutachten des damaligen Kulmbacher Stadtphysicus, der bei einigen der Opfer eine Arsenvergiftung feststellte. 

Mehr zu den historischen Hintergründen der Giftmorde im Buch „Fränkische Verbrecher - Die spannendsten Kriminalfälle 1330 -1975“ von Benedikt Grimmler. 

Markgrafenkirche

Im 17. und 18. Jahrhundert nahmen sich die Bayreuther Markgrafen den vom Krieg gezeichneten Kirchen an. 1727 bis 1729 bekam die Kirche St. Laurentius einen neuen, doch relativ schlichten Kanzelaltar. 1770 bis 1773 wurden zahlreiche, aufwendig gearbeitete Figuren nachgerüstet. Solch ein detailverliebter Kanzelaltar ist zwar typisch für die Markgrafenkirchen, jedoch gibt es in Wonsees ein paar Besonderheiten. Dass Auferstehungs- und Himmelfahrtsszenen gleichzeitig vorhanden sind, ist ungewöhnlich. Meist kommt nur eine von beiden vor. Die Altargestalter damals haben sich einige versteckte Botschaften einfallen lassen. Zu diesen kuriosen Details gehört, dass der auferstandene Christus seinen Fuß auf die auf Kanzeldecke stellt. Zudem verdeckt die Figur das allsehende Auge, ein Symbol für Gott und die Dreifaltigkeit, das allen Markgrafenkirchen gemeinsam ist.

Weineck-Orgel

Im Vergleich zum Altar eher schlicht gehalten ist die Orgel. Sie wurde 1856 erbaut und stammt aus der Werkstatt des Bayreuther Traditions-Orgelbauers Ludwig Weineck. Die Firma geht zurück auf Gottfried Silbermann, einem der besten Orgelbauer der Barockzeit.  Die Orgel, ähnlich wie die Kirche, ist ein Kriegsveteran. 1917 fielen ihre Zinkpfeifen der Rüstungsindustrie des Ersten Weltkriegs zum Opfer. Sie wurden eingeschmolzen, um Munition daraus zu machen. Bei der Sanierung der Kirche 1996 bis 1998 wurde auch die Orgel restauriert und die Zinkpfeifen durch originalgetreue Nachbauten ersetzt.

 

Weitere Informationen zur Kirche finden Sie auf der Website http://stlaurentius.kirche-wonsees.de.

 

Die Kirche ist täglich der Öffentlichkeit zugänglich.

 

Öffnungszeiten:

Im Winter von 10.00 bis 16.00 Uhr

Im Sommer von 10.00 bis 19.00 Uhr

Führungen sind möglich, vorher im Pfarramt anrufen

Telefon: 09274/95017

E-Mail: pfarramt.wonsees(at)elkb.de

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