Der Zedersitzer Mord
Eine Gräueltat im 30-jährigen Krieg
Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) war ein machtpolitischer Konflikt und Religionskrieg, der Europa erschütterte. Truppen des katholischen Kaisers hinterließen auf ihren Feldzügen eine Spur der Verwüstung. Unter dem Motto „Der Krieg ernährt den Krieg“ plünderten und brandschatzten sie Dörfer, um sich zu versorgen.
Auch Wonsees blieb nicht verschont. Ein alter Kirchenbuch-Eintrag aus dem Jahr 1628 berichtet von einer grausamen Tragödie:
„Am 21. Februar 1628 sind in der Nacht etliche kaiserliche Regimenter zu Ross, unter dem Grafen Wolf von Mansfeld durchgezogen. Davon sind 350 zu Ross hier (in Wonsees) einquartiert worden. Weitere Soldaten wurden nach Zedersitz und Schiradorf geschickt. Weil aber die Untertanen in Zedersitz meinten, es wären Freibeuter, haben etliche von ihnen auf Verleitung eines bösen Buben auf sie eingeschlagen. Daraufhin sind die Soldaten mit einem größeren Trupp zurückgekehrt und haben die Einwohner überfallen. So wurden von den armen Untertanen in Zedersitz 15 Personen jämmerlicher, unbarmherzigerweise teils erschossen, teils erbärmlich umgebracht, und noch dazu in Zedersitz und Schirradorf etliche Weibsbilder mit Gewalt geschändet."


Die Erschlagenen in Zedersitz waren:
1. Lorentz Rausch 63 Jahr alt (Er ist erst am vierten Tag nach dem Vorfall, an seinen Verletzungen gestorben)
2. Hans Rausch, sein einziger Sohn, ein junger Mann
3. Hans Kraus, 75 Jahre alt, ihm haben sie den Kopf abgehauen und in einen Backofen geworfen
4. Cunz Höffer, 70 Jahre alt
5. Cuntz Morsch, ein sehr alter Mann
6. Peter Frey, ein armer Bettelmann
7. Hans Dieterich, der dicke Weber, ein alter Mann.
8. Hans Berkmann, Mercklein genannt, ein alter Mann
9. Hans Mercklein, sein Sohn, ein junger Mann
10. Hans Höl, ein junger Mann
11. Hans Schneider [?] Schuster, ein junger Mann.
12. Hans Endreß, der Kurtz [?] genannt, ein junger Mann
13. Hans Hilpert ein Dienstknecht von Dönfeld [?] wurde auf dem Weg erschossen
14. Michel Merklein, ein junger Mann
15. Hans Pfändner, ein Jugendlicher aus Schirradorf
Alle Opfer (vermutlich bis auf den erst später verstorbenen Lorentz Rausch) wurden am 23. Februar 1628 in einer großen Grube hinter dem Turm auf dem Kirchhof in Wonsees begraben, und ihnen eine Leichenpredigt gehalten. Daneben haben diese Räuber den Marck genauso geplündert, wie sie es in diesen beiden Dörfern getan haben, teils die Leute rationiert, die Pferde mit Gewalt weggeritten, sodass manche (den finanziellen Schaden) ihren Lebtag nicht überwinden konnten. Gott möchte uns forthin vor solch unbarmherzigen Gästen bewahren und solche zu uns nicht mehr kommen lassen.“*
*übertragen aus dem Original (1628, Kurrent-Handschrift) von Dr. Marcus Mühlnikel, Institut für Fränkische Landesgeschichte.
Leider blieb die Bitte des damaligen Pfarrers nicht erhört, denn in den Folgejahren wurde Wonsees des Öfteren geplündert und einmal sogar niedergebrannt, am 6. Juli 1632. Die Kirche blieb allerdings verschont und somit auch die Kirchenarchive. Immer wieder beschäftigten sich die Wonseeser Pfarrer mit dem „Zedersitzer Mord“. Im Jahr 1767 nahm Pfarrer Hedenus das Ereignis in seine Chronik auf, die wiederum vom Kirchenlamitzer Schulrektor Johann Heinrich Scherber 1797 in sein „Gemeinnütziges Lesebuch für die Bayreuthische Vaterlandsgeschichte“ aufgenommen wurde, allerdings mit einigen Ausschmückungen: Der Grund warum die Zedersitzer die kaiserlichen Reiter verprügelten, soll folgender gewesen sein: „Den Einwohnern des Dorfes Zedersitz bei Wonsees waren im vorigen Herbste ihre sämtlichen Pferde von der Weide geraubt worden. Im nächsten Frühjahr, als sich abermals der Vortrab von einem Kavallerieregiment sehen ließ, glaubte einer der Bewohner sein verlorenes Pferd unter ihnen ansichtig zu werden.“ In einer Randnotiz des Kirchenbucheintrags hat jemand notiert, der Anstifter zur Prügelei soll „Hans Pfändner auf der Plötzmühl“ gewesen sein. Vermutlich stammt dies aus mündlichen Überlieferungen, die dem damaligen Pfarrer zugetragen wurden.


Vor der Markgrafenkirche St. Laurentius erinnert heute ein Denkmal an die Opfer des Zedersitzer Mords. Es wurde am 19. September 1937 eingeweiht und mahnt, die Schrecken des Krieges nicht zu vergessen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in den 1920er Jahren, fand der Wonseeser Pfarrer Hans Pfister die Aufzeichnungen zum Zedersitzer Mord in den Kirchenarchiven. Anlässlich des 300. Jahrestags im Jahr 1928, verfasste er ein Theaterstück mit dem Titel „Aus schwerer Zeit“. Im Jahr 2019 überarbeiteten Pfarrerin Anna Städtler-Klemisch und Pfarrer Daniel Städtler das Stück. Unter dem Titel „Schluss mit Gott“ führte der Kirchenchor Wonsees 2022 unter der Leitung von Angela Lang eine überarbeitete Interpretation auf Burg Zwernitz auf und stellte dabei die Frage, ob der christliche Glaube ins 21. Jahrhundert passt.
Text und Bilder Dr. Adriane Lochner