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Wacholdertal und Wanderschäfer

Das Wacholdertal bei Wonsees ist ein mit Wacholderbüschen durchsetzter Magerrasen, der Lebensraum bietet für zahlreiche lichtliebende Pflanzenarten, wie etwa Orchideen und Enziane.

Die Wacholderheide, eine typische Landschaft der nördlichen Frankenalb, ist selten geworden. Vor Jahrhunderten ist sie durch die Schafbeweidung entstanden, doch nach und nach sind die Herden verschwunden. Doch die Wacholderhänge sind auf die Beweidung angewiesen, sonst wachsen sie zu.

Deshalb braucht das Wacholdertal den Wanderschäfer Heinrich Bernard und seine knapp 600 Schafe und Lämmer. Die Schafe grasen Wiesen ab, die auf herkömmliche Art nicht gemäht werden können, etwa weil sie an steilen Hängen liegen oder zu steinig sind. Ziegen kümmern sich um das grobe Buschwerk.

Wanderschäfer Bernard ist einer der letzten seiner Zunft. Trotz des überschaubaren Einkommens, ist die Schäferei noch immer sein Traumberuf, einer mit fast tausend Jahren Familientradition. Die Schäferei Bernard besteht nachweislich seit dem Jahr 1107. Allerdings hat sich der Beruf über die Zeit sehr verändert. 

„Zu meiner Kindheit war das Schäferleben viel romantischer“, erzählt Bernard. Die Schäfer haben sich abends im Schäferkarren getroffen und alte Schäferlieder gesungen. Vater und Großvater haben Schifferklavier und Mundharmonika gespielt. 

An die alten Verse erinnert sich der Schäfer noch, zum Beispiel:

Es halte Gott die treue Hand
Über uns’ren Schäferstand
Schäfer, Schafe, Hund und Schippe
Gehören auch zur ält’sten Sippe.
Das Schäferleben hat uns Gott gegeben
Nur das Pferchschlagen in der Nacht
Hat sich leider nur der Teufel ausgedacht
Wer länger schläft als sieben Stund’
Ist fauler als ein Schäferhund

Faul ist hier niemand. Jedes Jahr im September marschiert der Schäfer mit Herde und Hunden vom Bindlacher Berg bei Bayreuth über Neudrossenfeld nach Menchau, Leesau, Schirradorf und Wonsees. An den Wacholderhängen ist er meist Ende Oktober bis Anfang November anzutreffen.

Herbstlicher Ausflugstipp:

Durch das Wacholdertal führt der Wacholderweg, der sich für eine Rundwanderung bis nach Sanspareil zur Burg Zwernitz, Felsengarten und zum Pferde- Esel- und Ponyparadies eignet. Parkplätze gibt es am Marktplatz in Wonsees. Dort befinden sich auch üppig Einkehrmöglichkeiten.

Wenn Wanderer auf die Herde treffen, sollten sie sich ruhig verhalten und ihre Hunde anleinen. Wer die Schafe streicheln oder fotografieren möchte, sollte zuallererst Kontakt mit dem Schäfer herstellen. Die Schäferhunde sind zwar kinderlieb, doch wenn die Schafe Angst bekommen, sorgen sich auch die Hunde.